"Ostermission"

Gemeinsam mit neun anderen Mädchen macht sich Volontärin Clara Zaißerer auf den Weg ins ländliche Ecuador.
Alle "Missionarinnen" vor dem Aufbruch

Wenn jemand in Deutschland von katholischen Missionen spricht, denken vermutlich viele an die Kreuzzüge oder an die Mission Lateinamerikas; beides keinesfalls friedliche Versionen der Mission.
Der Begriff ist hier in Ecuador, anders als vielleicht erwartet wird, nicht negativ behaftet, sondern er bezieht sich auf die heute noch stattfindenden Missionen. Jetzt allerdings im Normalfall von Ecuadorianer zu Ecuadorianer und in einer ganz und gar friedlichen schönen Variante.

Die Ostermission
Über Ostern bin ich dieses Jahr nun auch auf diese sogenannte „misión pascual“, also Ostermission, mit Mädels aus der Schule gefahren, die das zum Teil schon viele Jahre in Folge gemacht haben. Insgesamt waren wir neun und eine Schwester, aber für die Mission haben wir uns auf verschiedene Orte aufgeteilt.
Ostern, das größte Fest eines Katholiken, ist in einem vom Katholizismus geprägten Land natürlich sehr wichtig. Nun gibt es hier allerdings zum Teil in einigen eher ländlichen Regionen nicht genug Priester, weshalb die Gemeinden um Missionare bitten, die zumindest die Teile der Liturgie, die auch ohne Priester möglich sind, leiten.

Ankunft in Ingahurco bajo und Krankenkommunion im Viertel
So bin ich also in eine etwas abgelegene Gemeinde der Stadt Ambato gekommen, wo ich mit zwei Katechetinnen der Schule in dem barrio (=Viertel) „Ingahurco bajo“, als Missionarin geholfen habe. In unserem Fall gab es zwar Priester für die ganze Gemeinde, aber nachdem diese aus bestimmt fünf bis sechs barrios bestand, konnten die Priester natürlich nicht die ganze Zeit überall gleichzeitig sein.

Begonnen haben wir damit das barrio kennenzulernen, wobei uns die Verantwortliche dieses Viertels ein bisschen durch die Straßen geführt hat. Später haben wir mit dem Pfarrer die Krankenkommunion gebracht. Unser Weg führte uns so unter anderem zu zwei alten Frauen, die beide vollkommen allein lebten und kaum mehr von ihren Familienmitgliedern besucht werden. Beide wohnten sehr einfach und besonders eine von beiden war sehr traurig, trost- und hoffnungslos. In unserem Fall konnten wir durch unseren Besuch zumindest ein klein wenig Hoffnung schenken, auch wenn es eben nur bei diesem einen Besuch geblieben ist.

Abends um 19:30 Uhr dieses Tages ging es dann noch mit den Mitgliedern aller barrios der Gemeinde auf eine sogenannte „caminata de fe“, also eine „Glaubenswanderung“, bei der wir betend und fröhlich singend vier Stunden durch die Nacht gewandert sind. Hier geht ja jeden Tag die Sonne um 18 Uhr unter, weshalb es schon von Beginn an dunkel war. Das war wirklich ein schönes gemeinsames Miteinander, bei dem viele Leute dabei waren.

Gründonnerstag
Der nächste Morgen begann für uns mit der sogenannten Chrisam-Messe in der Kathedrale, in der die heiligen Öle für das ganze Jahr geweiht werden und die Priester ihr Priesterversprechen erneuern. In der Kathedrale Ambatos waren an diesem Tag unglaublich viele Priester präsent und auch sehr viele Gläubige sind zur Messe erschienen, weshalb wir sogar stehen mussten. Das war wirklich beeindruckend.

Karfreitag
Am Morgen des Karfreitags haben wir drei Holzkreuze mit Palmenzweigen aufgestellt und uns anschließend auf den Kreuzweg vorbereitet, den wir leiten sollten. Die einzelnen Stationen wurden allerdings von Familien gelesen. Geendet hat diese Prozession bei den drei Holzkreuzen, wo wir die sieben letzen Worte Jesu reflektiert haben. Mir hat dieser Teil sehr gut gefallen, weil ich mir zuvor nie wirklich Gedanken über die einzelnen so entscheidenden Worte Jesu gemacht habe.

Karsamstag 
Am Karsamstagmorgen ging es für uns Missionarinnen mit acht Jugendlichen des barrios ins Pfarrhaus. Dort haben wir gemeinsam mit anderen Missionaren, u.a. Seminaristen, das Oster-Treffen geleitet. Neben vielen Spielen und Liedern gab es auch kleine Impulse, Momente des Gebets und der Stille. Abends kamen wir auf den Höhepunkt dieser Tage zu, nämlich die Ostervigil. So ist der Herr also auch bei uns in Ingahurco Bajo auferstanden!

Ostersonntag und Abschied
Unser letzter Tag, Ostersonntag, war nach der Ostermesse vor allem von Abschieden geprägt, denn für uns ging es schon wieder heim. Und obwohl wir nur ein paar Tage hier verbracht haben, sind uns viele Gemeindemitglieder, die Gastfamilien, Priester, Verantwortlichen der Gemeinde, Jugendlichen und so weiter, ans Herz gewachsen.
¡Hasta luego Ingahurco Bajo!

(Clara Zeißerer, Volontärin in Ecuador)

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