Ich bin hier richtig!

Zum neuen Jahr resümiert Volontärin Julia Helfer über ihren Einsatz in Nicaragua.

Ich wünsche euch allen etwas verspätet ein frohes neues Jahr 2017. Nachdem sich schon im letzten Jahr sehr viel für mich geändert hat, bin ich wirklich gespannt was das neue Jahr alles mit sich bringt.

Bis Mitte Februar sind noch Ferien  
Da das Erscheinen der Kinder von Wetter, Wochentag oder Laune abhängt und die Lernbereitschaft sich in Grenzen hält, habe ich den Versuch, regelmäßig Englischunterricht zu erteilen, wieder eingestellt. Allerdings habe ich Spiele, wie zum Beispiel Memory mit englischen Begriffen, um den Kindern, wenn sie kommen, die Sprache ein wenig spielerisch näherzubringen. Von den Kindern, die beim Lesen und Schreiben noch ihre Schwierigkeiten haben oder es noch gar nicht beherrschen, versuche ich zumindest ein wenig ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, um mit ihnen zu üben. Den Rest des Vormittags verbringen wir mit Spielen, ich helfe beim Zubereiten des Essens und später beim Austeilen.
 
Die Kinder, die jetzt in den Ferien kommen, sind Kinder aus den ärmsten Familien hier. Die Jungs kommen meist ohne T-Shirts und in zerrissenen Hosen, die Mädels mit Kleidern, die mit Sicherheit schon viele andere vor ihnen getragen haben. Aber trotzdem haben die Kinder so eine Freude beim Spielen, sie lachen und springen herum und es macht einfach nur Freude zuzusehen. Wenn ich einen schlechten Tag habe, mal nicht so gut gelaunt bin, ist das alles vergessen, sobald die Kinder auf mich zurennen, mich umarmen und sich freuen mich zu sehen. Da merke ich, wie sich in meinem Gesicht ein Grinsen ausbreitet.
 
Für mich ist hier alles schon ziemlich gewohnt geworden
Ich bin vertrauter mit der Art der Menschen hier, habe mich z.B. mit der Unpünktlichkeit abgefunden. Ich habe die hilfsbereite und offene Art der Menschen hier sofort lieben gelernt. Wenn ich einfach nur an einem schönen sonnigen Tag mit meinem Fahrrad durch die Stadt fahre oder mit einem Eis in der Hand in Richtung See schlendere, weiß ich, dass ich genau richtig hier bin und dass mir der Gedanke, wieder heimzukommen, im Moment ziemlich komisch und sehr weit entfernt erscheint. Natürlich läuft hier nicht alles glatt, es gibt oft Situationen, die meine Geduld und meine Nerven sehr herausfordern, es gibt Dinge, die nicht so laufen, wie geplant. Aber ich habe noch nie mit dem Gedanken gespielt, alles abzubrechen, meine Koffer zu packen und nach Hause zu fliegen. Es gibt immer wieder Momente, die mir deutlich machen, dass es genau richtig ist, dass ich hier bin, und dass ich gar nicht wo anders sein will, schon gar nicht im kalten, verschneiten Deutschland. Und das, obwohl es für mich anfangs unvorstellbar war, für so lange Zeit hierzubleiben.

Zu Silvester am Meer
Über Silvester war ich mit anderen Deutschen am Meer. Ein Ort, sehr abgelegen von jeglicher Zivilisation, dafür perfekt, um ein paar Tage einfach nur an dem breiten, menschenleeren Strand zu entspannen. Ideal, um auch einmal Surfen auszuprobieren, ohne sich dabei vor einer Menge von Zuschauern zu blamieren. Die Wellen an der Pazifikküste sind wirklich sehr stark, was es nicht leicht gemacht hat, sich auf dem Brett zu halten. Es hat aber echt Spaß gemacht, auch wenn ich danach überall blaue Flecken hatte. Unser Haus war alles andere als Luxus. Kein fließendes Wasser, Krebse in der Küche, Dusche im Freien und viele andere kleine Krabbeltiere überall. Aber dafür eine Terrasse mit traumhaft schönem Ausblick aufs Meer.
 
Was gibt es schöneres, als frisch gemachtes Gallo Pinto und Rührei zum Frühstück, während im Hintergrund das Meer rauscht und der salzige Geruch in der Luft liegt. Oder zu sehen, wie die Sonne nach einem heißen Tag am Strand im Meer versinkt und alles in ein rosa-rotes Licht versetzt. Oder später am Lagerfeuer zu sitzen und tausende von Sternen fern ab vom Licht der Stadt und den Mond, der sich im Wasser spiegelt, zu sehen und dabei über Gott und die Welt zu reden. Noch nie habe ich die Natur so schön erlebt, weit weg von all dem Tourismus, alles noch so unberührt.
Das ist Nicaragua mit all seinen Facetten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und die mich dieses wunderschöne und vielseitige Land einfach nur lieben lassen.

(Julia Helfer, Volontärin)

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